Signora Lauretti

Ein Leben für Sanremos Geschmack

Wer sich durch die schmalen Gassen der Altstadt von Sanremo treiben lässt, hört es oft: das Klirren kleiner Gläser, das Rascheln von Papiertüten, das freundliche „Buongiorno!“ eines Geschäfts, das seine Türen schon seit Generationen offen hält. Genau hier, an einer ruhigen Ecke in der Via Solaro, steht Signora Lauretti. Eine ältere Dame mit warmem Lächeln, ruhiger Ausstrahlung und einer Gelassenheit, wie sie nur Menschen besitzen, die ihr ganzes Leben in denselben Gassen verbracht haben.

Ihr Laden – ein kleines Feinkostgeschäft mit traditionellen ligurischen Spezialitäten – ist seit mehr als achtzig Jahren in Familienbesitz. Ihr Grossvater eröffnete ihn kurz nach dem Krieg, damals noch als einfache Bottega, in der man Oliven, frische Pasta und eingelegte Artischocken einzeln abwog und sorgfältig in Papier einschlug. Was damals begann, führt Signora Lauretti heute mit derselben Hingabe weiter, als wäre die Zeit in ihrem Laden ein wenig stehen geblieben.

Betritt man ihr Geschäft, riecht man sofort den Duft von getrockneten Kräutern, hausgemachter Pasta und eingelegtem Gemüse. Hinter der Theke stehen grosse Gläser mit Pesto, Taggiasca-Oliven und eingelegten Zitronen – vieles davon macht sie noch genau so, wie es ihre Mutter ihr beigebracht hat. „Rezepte ändern sich nicht, wenn sie gut sind“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Und man glaubt ihr jedes Wort.

Signora Lauretti ist eine Frau, die nicht nur Produkte verkauft, sondern Erinnerungen. Für viele Einheimische ist ihr Laden ein Stück Kindheit – ein Ort, an dem man früher mit der Grossmutter vorbeikam, um sonntägliche Ravioli zu holen, und an dem sie noch heute weiss, wer welche Sorte Pasta am liebsten mag. Für Besucher hingegen ist es einer dieser raren Orte, die man nicht vergisst, weil sie das echte Sanremo verkörpern: bodenständig, herzlich und voller Geschichte.

Doch es ist nicht nur der Laden, der besonders ist – es ist Signora Lauretti selbst. Sie begrüsst jeden Gast mit einer Wärme, die man nicht spielen kann. Oft fragt sie nach, woher man kommt, was man in Sanremo vorhat und ob man etwas Besonderes sucht. Sie liebt es, das Richtige zu empfehlen, und selbstverständlich bekommt man zu jedem Produkt eine kleine Geschichte dazu: warum die Oliven aus den Hügeln oberhalb von Sanremo die besten sind, welches Pesto am meisten nach ihrer Kindheit schmeckt oder welche Nudelsorte sie an Festtagen zuhause serviert.

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Ihr Alltag beginnt früh. Noch vor Sonnenaufgang ist sie in der kleinen Küche hinter dem Geschäft, um frische Trofie und Fettuccine zu machen. Viele ihrer Produkte stammen von lokalen Kleinbauern, die sie seit Jahrzehnten kennt. Für sie war es nie eine Option, auf Massenware umzusteigen. „Wenn ich meinen Namen darauf schreibe, muss es ehrlich sein“, sagt sie. In jedem ihrer Gläser, in jeder Portion Pasta steckt ein Stück ihrer eigenen Geschichte.

Trotz ihres Alters denkt Signora Lauretti nicht daran, aufzuhören. Der Laden hält sie jung, wie sie selbst sagt. Die Gespräche, die Kunden, die kleinen Momente des Alltags – all das gibt ihr Kraft. Und sie ist stolz darauf, dass auch die nächste Generation bereits mithilft: Ihre Enkelin steht manchmal am Samstag hinter der Theke und lernt, wie man die typische ligurische Pasta nur mit den Fingerspitzen formt.

Wer Sanremo besucht und das Echte sucht, sollte hier vorbeischauen. Nicht, um einfach etwas zu kaufen, sondern um ein Stück der lokalen Seele zu erleben. Signora Lauretti zeigt, wie viel Herz in kleinen Geschäften steckt, die den Charakter einer Stadt prägen. Ein Besuch bei ihr ist mehr als ein Einkauf – es ist eine Begegnung mit einem Menschen, der Sanremo lebt, atmet und durch seine Arbeit Tag für Tag lebendig hält.

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Wenn Sie sie besuchen, wird sie Ihnen vielleicht sagen: „Nehmen Sie sich Zeit. Gute Dinge soll man nicht eilig wählen.“ Und genau das ist ihr Geheimnis – ein Tempo, ein Lächeln und eine Wärme, die man nur in Geschäften findet, die eine Geschichte haben. Eine Geschichte wie die von Signora Lauretti.

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